Symphonieorchester Vorarlberg
 

Im Exil

April 2012

Sehr geehrte Abonnenten, liebe Musikfreunde, zwei Konzerte noch, dann heißt es für immer Abschied nehmen. Das Montforthaus Feldkirch, unser Domizil seit der Orchestergründung 1985, wird im Sommer 2012 abgerissen und anschließend in zweijähriger Bauzeit vollkommen neu errichtet.

Wir freuen uns auf einen Konzertsaal der Spitzenklasse, der akustisch und vom Sitzkomfort „alle Stückeln spielt“ und den wir – wenn alles nach Plan läuft – im Herbst 2014 mit Carl Orffs Carmina Burana feier­lich eröffnen werden. Ein Architektenteam bestehend aus den Büros Mitiska / Wäger aus Bludenz und Hascher / Jehle aus Berlin haben einen viel versprechenden Plan vorgelegt, der das neue Montforthaus zu einem attraktiven Kulturzentrum mit internationaler Ausstrahlung machen wird.

Aber ein bisschen Wehmut schwingt natürlich schon mit. Denn obwohl das Haus seine besten Zeiten bereits hinter sich hat, ist es uns im Laufe der Jahre doch sehr ans Herz gewachsen. 116 Konzerte und Opern-Aufführungen hat das Symphonieorchester Vorarlberg im Laufe der Jahre im Montforthaus gespielt. Wir werden nicht nur den speziellen Charme der Garderoben und Foyers vermissen, auch die keineswegs barrierefreie Bühnenanlieferung (sie hat unseren Schlagzeugern jahrelang eine teure Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio erspart) oder die Temperatur des Orchestervorraums (zauberte Eisblumen auf die Mundstücke unserer Bläser) hatte etwas ganz Besonderes. Auch der Umstand, dass der einzige Weg von der Hinterbühne in den Saal ausschließlich durch Regen und Schnee (nämlich um das ganze Haus herum) bewältigt werden konnte, fand man irgendwann einmal ganz normal.

Der verborgene Klang
Aber das Beste am Montforthaus blieb dem Großteil des Publikums leider verborgen und fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt: der Klang eines Orchesters im leeren Saal! Nur bei Proben zeigte das Haus, dass es eigentlich ein akustischer Ferrari ist und mit berühmten Konzertsälen auf der ganzen Welt mithalten konnte. Bei geschlossenen Augen fühlte man sich wie im Wiener Musikverein oder der Boston Symphony Hall. Leider absorbierten die Textilien der Konzertbesucher die Nachhallzeit um fast 40 Prozent, sodass es nur wenigen Eingeweihten vergönnt war, diesen speziellen Klang im leeren Saal zu genießen.

Genau dieses Problem hat die Akustikspezialistin Brigitte Graner sofort erkannt. Die deutsche Firma Graner + Partner, die bereits die Kölner Philharmonie akustisch gestaltet hat, möchte den Klang des neuen Saales nicht nur für das Publikum optimieren, sondern auch dafür sorgen, dass sich die Musiker auf der Bühne untereinander gut hören. Dies ist für das Zusammenspiel im Orchester natürlich ein ganz entscheidender Faktor und kann die Qualität um ein Vielfaches steigern.

Immer ein Vergnügen war es, mit der Mannschaft des Hauses zusammenzuarbeiten. „Unmögliches wird sofort erledigt, Wunder erst ein paar Minuten später“ war die Devise. Fast jeder Wunsch wurde erfüllt – war er noch so ausgefallen oder wurde er noch so knapp vor Konzertbeginn geäußert. Dafür möchten wir uns hier einmal in aller gebührender Form bedanken.

Kurz gesagt: Wir werden das Montforthaus in seiner heutigen Form schmerzlich vermissen!

Das SOV bleibt in Feldkirch
Wir haben lange überlegt, welches Ausweichquartier für die nächsten zwei Jahre wohl die beste Lösung wäre. Es gab mehrere Alternativen: alle Konzerte im Festspielhaus Bregenz zu veranstalten, die Kulturbühne AmBach Götzis, der neue Saal in Schaan – es wurden viele Möglichkeiten in Betracht gezogen und auch wieder verworfen. Irgendwann wurde uns klar, wie wichtig es ist, die Konzerte in Feldkirch zu belassen.

Das Symphonieorchester Vorarlberg wird daher in den nächsten beiden Jahren jeweils drei Konzertprogramme immer zweimal (Donnerstag und Freitag) im Festsaal des Landeskonservatoriums spielen. Zwei Projekte mit großer Orchesterbesetzung – beispielsweise der Zyklus MAHLER 9×9 – werden ins Festspielhaus Bregenz verlegt. Selbstverständlich bieten wir unseren Abonnenten einen Buszubringer von Feldkirch nach Bregenz an –
analog zur jährlichen Oper, wo dieser Service seit vielen Jahren bestens funktioniert.

Übrigens sind wir mit unserer Exil-Situation in bester Gesellschaft: die Berliner Staatsoper spielt zur Zeit ebenfalls in einem Ausweichquartier, und das Opernhaus Nürnberg soll demnächst sogar für vier Jahre in ein Theaterzelt übersiedeln. Auch das Symphonieorchester Vorarlberg befindet sich bereits zum dritten Mal im Exil: 1994 wurde das Bregenzer Kornmarkttheater umgebaut – dies hatte zur Folge, dass wir Opern im Festspielhaus spielen konnten. Dann die Neugestaltung des Festspiel­hauses im Jahr 2005 mit der Werkstattbühne als provisorischer
Spielstätte, und aktuell eben das Montforthaus.

Nun bleibt nur zu hoffen, dass Sie, verehrte Abonnenten und Konzert­besucher, dem SOV auch während der nächsten beiden Jahre die Treue halten. Ihre Abo-Plätze bleiben natürlich gespeichert und werden möglichst 1:1 in das neue Haus übernommen. Treue lohnt sich also!

Im Mai werden wir Ihnen unser neues Programm mit allen Terminen und Programmen für 2012/13 präsentieren. Wir versprechen Ihnen eine Saison, die kein Provisorium darstellt, sondern eine – der Situation angepasste – vollwertige Konzertsaison in der gewohnten Qualität. Lassen Sie sich überraschen!

Michael Löbl, Geschäftsführer

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