Britten, Mozart, Dvořák – was wünschen wir uns mehr?

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Einer der „beliebtesten englischen Komponisten“ – Benjamin Britten – eröffnet das KONZERT 3 mit seiner Suite on English Folk Tunes. Dann hören wir Brittens Lieblingskomponisten, Wolfgang A. Mozart, mit einem Klavierkonzert, das von Steven Osborne, einem Lieblingspianisten unseres Chefdirigenten gespielt wird. Danach: die 7. Symphonie eines von Leo McFall auch hochverehrten Komponisten: nämlich die von Antonín Dvořák. Wir freuen uns also auf ein mit viel Liebe geplantes, sicherlich prächtiges, vorweihnachtliches Konzert!

Benjamin Brittens Suite on English Folk Tunes – „A time there was“

Er war wohl so etwas wie ein Hans Dampf in allen Gassen: der englische Komponist, Dirigent und Pianist ist einer der produktivsten Kulturbotschafter des Landes. Er hinterließ 95 Werke, die er auch selbst aufführte – vor allem Lieder, die er für seinen Lebens- und Arbeitspartner, den Tenor Peter Pears schrieb, und den er oft und oft in Konzerten am Klavier begleitete.

Britten war es immer wichtig, mit seiner Musik alle Menschen zu erreichen: „Es ist die Pflicht des Komponisten als Mitglied der Gesellschaft, zu seinen Mitmenschen zu sprechen oder für sie zu sprechen ... Ich schreibe nicht für die Nachwelt ... Ich schreibe Musik, jetzt, in Aldeburgh, für die Menschen, die dort leben, und darüber hinaus, ja für jeden, der sie spielen oder hören möchte.“  In Aldeburgh lebte er die meiste Zeit seines Lebens, und das Musikfestival, das er gemeinsam mit Pears und dem Librettisten Eric Crozier ins Leben rief, findet heute noch jedes Jahr im Juni dort statt.

In den 1960er Jahren hatte er den kurzen Tanz Hankin Booby für Blasorchester für die Eröffnung der Queen Elizabeth Hall in London komponiert, mit Melodien, die ihn an seine Jugend erinnerten. Später suchte er nach einem passenden Rahmen für diese kurze Komposition. Weitere Volksmelodien ergaben weitere Ideen, jeweils zwei „tunes“ wurden in einen Satz verpackt, und so entstanden in den 1970er Jahren rund um den ursprünglichen Tanz noch weitere vier Sätze mit klingenden Namen: Cakes and Ales, eine Fanfare für Trommeln und Blechbläser, The Bitter Withy für Streicher und Harfe, der eine Geschichte aus der Kindheit Jesu erzählt, Hunt the Squirrel für virtuose Geigen und abschließend Lord Melbourne mit einer elegischen Englischhorn-Melodie.

Britten schrieb die Suite, als er nach einem Schlaganfall eine Hand nicht mehr vollständig bewegen konnte; es ist sein letztes Orchesterwerk. Mit dem Untertitel „A time there was …“ erinnert er an die erste Zeile des Gedichts Before Life And After von Thomas Hardy, das er Jahre zuvor vertont hatte, und setzt sich wohl mit einem nahenden Lebensende auseinander. Unsterblich aber sollen seine Melodien bleiben.

Wolfgang A. Mozarts Klavierkonzert Nr. 27

Anfang des Jahres 1791 beendete Mozart sein Klavierkonzert Nr. 27, das er erst zwei Monate später bei einem privaten Konzert eines befreundeten Klarinettisten erstmals aufführte. Unvorstellbar wäre so etwas früher gewesen, wo Mozart eigene Akademien organisierte, die ihm auch Geld einbrachten. Seine Zeit als Klaviervirtuose war wohl vorbei, seinem Publikum waren seine Werke zu kompliziert geworden und wir wissen, dass ihn Geldnot plagte. 

Die Genialität des Werkes versuchen Interpreten wie Musikwisschenschafter immer wieder in Worte zu fassen und können sich dem Zauber dieser Musik doch nur annähern. Dem ersten Satz, einem atmosphärischen Allegro, hört man die harmonischen Kühnheiten gar nicht an, so verinnerlicht passieren diese Bewegungen durch die Tonarten, so schwerelos, entrückt und doch aus einem Guss ist das Ganze. Der zweite Satz, das Larghetto, greift vielleicht auf die Klangwelt der Zauberflöte vor, und das Thema, das den dritten Satz beherrscht, kurze Zeit später für das Lied Sehnsucht nach dem Frühling verwendet wird. Vielleicht ein Hinweis auf einen in einer kalten Wiener Wohnung frierenden Komponisten? 

Dieses reifste Klavierwerk Mozarts zu hören und seine Schönheit einfach nur zu genießen, das wird uns der schottische Pianist Steven Osborne ermöglichen. Weltweit wird Osborne für seine Interpretationen und ungewöhnliche Ausdruckskraft im vielfältigen Klavierrepertoire anerkannt. Er hat mehr als dreißig Aufnahmen bei Hyperion Records vorzuweisen, und Leo McFall bezeichnet ihn im Podcast zum KONZERT 3 als „einen der allergrößten Künstler unserer Tage“. Er selbst hat dort zu seiner Rolle als Interpret gesprochen und gibt dem Publikum fürs Konzert einen einfachen, aber wichtigen Rat: „Lehnen Sie sich zurück, schalten Sie den Kopf aus und schauen Sie, was die Musik mit Ihrem Körper macht.“

Antonín Dvořáks 7. Symphonie

Unglaublich beeindruckt war Antonín Dvořák von der 3. Symphonie seines Vorbildes und späteren Freundes, Johannes Brahms. Genau in eine solche Richtung wollte auch er sich bewegen. Da kam der Auftrag zu einer neuen Symphonie der Londoner Philharmonic Society gerade recht: Dvořák stürzte sich in die Arbeit, mit gar großem Anspruch: „Ich beschäftige mich zur Zeit mit einer neuen Symphonie (für London) und überall denke ich an nichts anderes als mein neues Werk, das die Kraft haben muss, die ganze Welt zu bewegen, und Gott gebe, dass es so wird!“ – Die Uraufführung der neuen Symphonie am 22. April 1885 leitet Dvořák selbst und sein Wunsch erfüllte sich: diese vielleicht leidenschaftlichste seiner Symphonien hat das Herz der Londoner im Sturm erobert.

Chefdirigent Leo McFall stürzt sich nur allzu gern nun in die Probenarbeit mit dem SOV. Er bewundert vor allem die Meisterschaft Dvořáks, in jeder musikalischen Form zu glänzen, ob es die große Oper oder eine Symphonie ist, oder einfach ein Lied. Und was für ihn Dvořáks Musik unvergleichlich macht, ist eine immerwährende leise Melancholie, die man nur hören kann, wenn man es auch wirklich möchte.
 

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