Drei Fragen an unseren neuen Chefdirigenten Leo McFall

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Drei Fragen an unseren neuen Chefdirigenten Leo McFall – erfahren Sie mehr über seinen Weg zum Dirigenten-Tätigkeit, sein Verhältnis zu seinem Vorgänger Gérard Korsten und die Pläne mit dem Symphonieorchester Vorarlberg.
 

Wie sind Sie überhaupt zum Dirigieren gekommen?

Nun, ich habe recht früh mit der Geige als erstes Instrument begonnen, bald kamen auch die Bratsche und das Klavier dazu. Von Beginn an war mir die Kammermusik, das Musizieren mit Gleichgesinnten die größte Freude. Im Alter von 8 Jahren wurde ich Konzertmeister eines unserer Musikschulorchester, und der Dirigent bot jedem von uns Musikern die Gelegenheit, die letzten Minuten einer Probe selbst zu dirigieren. Erstaunlicher­weise reizte mich die Vorstellung, da vorne zu stehen überhaupt nicht – vermutlich war ich der Einzige, der sich niemals gemeldet hätte.

Das große Interesse kam erst später, als Teenager. Ich verschlang richtiggehend Partituren und Orchesteraufnahmen. Kaum ein Konzert in meiner Umgebung fand statt, ohne dass ich dabei war. Ich war fanatisch, und als es dann wirklich an der Zeit war, mich als Dirigent auszuprobieren, fühlte es sich ganz einfach und natürlich an.

 

2018 ist mit dem Rücktritt von Chefdirigent Gérard Korsten eine Ära des Symphonieorchester Vorarlberg zu Ende gegangen. Mit ihm verbindet Sie eine lange und enge Freundschaft. Würden Sie uns gerne davon berichten und uns verraten, wie dies Ihre zukünftige Aufgabe im SOV beeinflussen wird?

Erstmals traf ich Gérard Korsten 2006 in Bologna. Ich befand mich dort in einem Italienisch-Sprachkurs und Gérard sollte in diesen Tagen ein Konzert dirigieren. Auf dem Weg dorthin war er für mich noch gänzlich unbekannt, das sollte sich in wenigen Momenten schlagartig ändern. Was für eine Erleuchtung! Ich hatte zuvor noch niemanden Haydn und Mozart mit so viel Leben, mit so viel Kraft und Energie dirigieren gesehen. Ich habe den Moment noch immer vor Augen.

Im selben Jahr erhielt ich eine Einladung, bei einer Cosí fan tutte in Glyndebourne zu assistieren – eben genau jenem Gérard Korsten. Seither habe ich jede mir bietende Gelegenheit genutzt, um ihn am Podium zu erleben. Er ist für mich einer der intensivsten Musiker auf einer Bühne. In seine Fußstapfen im SOV zu treten erfüllt mich mit Stolz und Demut zugleich, gerade dieser Aspekt ist mir sehr ernst. Es erfüllt mich nach wie vor mit großer Freude, ihn einen Freund nennen zu dürfen.

 

Sie sind nun einen 5-Jahres-Vertrag mit dem Symphonieorchester Vorarlberg eingegangen. Sehen Sie Ihre Aufgabe darin, eine wiedererkennbare Tonsprache mit dem Orchester zu entwickeln?

Zunächst ist es nach wie vor eine unfassbar große Chance, mit diesen großartigen Musikern arbeiten zu dürfen. Ich kann mich noch sehr gut an das letzte gemeinsame Projekt erinnern, wir haben unter anderem eine Haydn Symphonie gespielt, und das natürliche Gefühl des Orchesters für diese Musik hat mich äußerst beeindruckt. Jeder im Saal saß an der Stuhlkante und wollte gemeinsam Musik machen! Ich bin der Überzeugung, dass jede Musik sein eigenes Idiom verlangt, dem es gilt gerecht zu werden. Im Zentrum meiner Arbeit werden jeweils die Partitur und die darin verborgene Klangsprache stehen. Das Orchester besticht bereits bisher mit sehr genauer Arbeit, das entspricht gänzlich meinem Zugang und meiner Vorstellung an Klangentwicklung.

Zudem freue ich mich sehr auf die Begegnungen mit diesem wunderbaren und enthusiastischen Publikum, das mich bei meinen bisherigen Konzerten in Vorarlberg wahnsinnig unterstützt hat.