Ein Leitmotiv durchzieht das Eröffnungskonzert der Saison 2022/23: die Musik aus dem Volk und ihr Weg in die Konzertsäle, denn: zahlreiche KomponistInnen wurden immer schon von der Volksmusik inspiriert, ein großes Thema auch im 20. Jahrhundert. Chefdirigent Leo McFall dirigiert das SOV in diesmal kleinerer Besetzung und wir freuen uns sehr über ein „Heimspiel“ von Mezzosopranistin Corinna Scheurle.
Showtime mit einem Stück rumänischer Volksmusik von Ligeti
Auch im 20. Jahrhundert war die Volksmusik wichtige Inspiration: György Ligeti fuhr quer durch Rumänien, um in eigener Feldforschung die Melodien zu sammeln, die er in seinem 1951 komponierten Concert Românesc wiedergibt. Und so quirlig wie dieses „show piece“ dahinwirbelt, so schwungvoll soll die neue Saison des SOV eröffnet werden! – Unverständlich für uns heute, dass die Granden der kommunistischen Partei das witzige, rasante Werk aufgrund dekadenter Klänge verboten hatten und es erst zig Jahre später zu weiteren Aufführungen kam – da war Ligeti aber auch schon von Ungarn nach Österreich geflohen, um im „Westen“ ein gefeierter Neuerer der Musiktradition zu werden.
Berios Folk Songs mit Corinna Scheurle
Luciano Berio, italienischer Pionier der elektronischen Musik, hat in seiner Auseinandersetzung mit Volksmusik zehn Lieder aus verschiedenen Ländern vor allem durch seine besondere Instrumentierung zu einem wunderbaren Ganzen verwoben: ursprünglich waren die Folk Songs eine Hommage an seine Frau, die Sängerin Cathy Berberian, welche die erste Interpretin dieser „Songs“ wurde. Mit sieben InstrumentalistInnen aus dem SOV wird Corinna Scheurle diese Songs darbieten und von den USA über die Auvergne bis nach Süditalien, Armenien und Aserbaidschan „wandern“. Scheurle, Ensemblemitglied im Staatstheater Nürnberg, hat am Feldkircher Musikgymnasium maturiert, und freut sich nun sehr über dieses „Heimspiel“ mit alten Bekannten aus dem SOV. Sie wird nach den Folk Songs aber auch andere Töne anschlagen: mit Liedern von Franz Schubert leitet sie nämlich die Symphonie im zweiten Teil ein.
Schubertlieder und die 3. Symphonie
Kein anderer österreichischer Komponist scheint so sehr mit der Volksmusik verbunden wie Franz Schubert; er hat Volks- zu Kunstliedern gemacht, seine Lieder wurden wiederum zu Volksliedern. An die 600 hat er geschrieben, und aus dieser unglaublichen Fülle wird es Die junge Nonne, Im Abendrot, Ständchen und Gruppe aus dem Tartarus zu hören geben: lassen Sie sich damit in ganz andere Welten entführen, bevor Sie sich dann seiner 3. Symphonie hingeben können!
Vom Schubert-Enthusiasten Johannes Brahms als einfache „Vorarbeiten“ abgetan, sind die frühen Symphonien Schuberts für Leo McFall immer unglaublich frisch, spontan und energiegeladen. Sie wurden für ein Liebhaberorchester geschrieben, und wir wissen nicht, ob Schubert sie je im Konzert auch gehört haben mag. Bei der offiziellen Uraufführung der Dritten in London, 50 Jahre nach Schuberts Tod, waren die Kritiker aber voll des Lobes – Leo McFall schwärmt vom tänzerischen 2. Satz mit seinen Ländler-Rhythmen und den Melodien, von denen er sich vorstellt, dass Schubert sie einfach auf der Straße gehört oder gar selbst, vielleicht mit Freunden, gesungen hat – also auch in dieser Symphonie schimmert immer wieder mal unser Leitmotiv durch, die Musik aus dem Volk.