Konzert 1 – Die Freude ist groß: Wir spielen wieder!

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25. September 2020: Die Ereignisse im SOV haben sich heute überschlagen. Wir müssen nun die überaus traurige Nachricht verkünden, dass aufgrund der epidemiologischen Lage und eines Erlasses der Gesundheitsbehörde des Landes Vorarlberg die vier kommenden Konzerte des ABO1 nur für max. 250 Besucher zugelassen werden. Angesicht dieser Obergrenze sehen wir uns gezwungen die Konzerte abzusagen. Alle Kartenbesitzer und Abonnenten werden umgehend informiert. Ein wahrlich trauriger Moment.

 

Nach der coronabedingten Absage der letzten 2 Konzerte im Frühjahr und unsicheren Wochen und Monaten haben wir schließlich im August großartige Veranstaltungen erleben dürfen. Bei den Festtagen im Festspielhaus spielten die Musikerinnen und Musiker des SOV mit Freude, Verve und Herzblut eine Orchestermatinée mit Werken von Joseph Canteloupe und Ludwig van Beethoven und Impresario Dotcom, eine Opern-Uraufführung der slowakischen Komponistin L’ubica Čekovská.

Ein konsequentes Abstands- und Hygienekonzept vor, auf und hinter der Bühne erlaubte sicheres Musizieren und dem wunderbar disziplinierten und nicht weniger freudigen Publikum ein genussvolles Lauschen.

Eröffnung einer besonderen Saison – Leo McFall ist neuer Chefdirigent

Durch diese Erfahrungen gestärkt wollen wir die neue Saison am kommenden Wochenende eröffnen. Sie soll eine der denkwürdigsten in der jüngeren Geschichte des SOV werden, denn erstmals trägt sie maßgebliche Züge des neuen Chefdirigenten Leo McFall. Außerdem werden wir schon mit dem Konzert 2 im Oktober unseren Zyklus „Mahler 9 x 9“ mit seiner 9. Symphonie und Kirill Petrenko beenden. Beim Konzert 3 wird endlich Leo McFall seinen Einstand als Chefdirigent geben – wir erleben ihn außerdem bei den Konzerten 4 und 6 und dem Silvester- und Neujahrskonzert. Wir sehen Gérard Korsten beim Konzert 5 wieder und lernen Heinz Ferlesch kennen, der die Opernproduktion im Vorarlberger Landestheater dirigieren wird.

Kolja Blacher

Zum Konzert 1 erwartet Sie nun Kolja Blacher, der bekannte deutsche Violinist, der das SOV im sogenannten „Play-Lead“-Format vom Konzertmeisterplatz aus leiten wird. Dieses Format ist ein in den letzten Jahren entstandener neuer Schwerpunkt in Blachers künstlerischer Arbeit, mit dem auch das SOV schon gute Erfahrungen gemacht hat, denn dabei kommt dem Orchester eine viel größere Portion Eigenverantwortung als sonst zu.

Kolja Blacher, Sohn des Komponisten Boris Blacher, unterrichtet an der Berliner Hochschule für Musik „Hanns Eisler“, und hat als Violinist Solostücke von Bach bis Berio, Violinkonzerte des romantischen und klassischen Genres bis hin zu zeitgenössischen Werken im Repertoire – und zahlreiche Preise für seine Aufnahmen gewonnen. Er hat mit bedeutenden Orchestern und Dirigenten zusammengearbeitet, wie etwa den Berliner Philharmonikern oder dem Baltimore Symphony Orchestra, sowie mit Claudio Abbado, Kirill Petrenko oder Mariss Jansons.

Leonard Bernstein (1918 – 1990)

Im Fokus des Konzerts steht Leonard Bernsteins Serenade für Solo-Violine, Harfe, Schlagwerk und Streichorchester, die 1954 in Venedig uraufgeführt wurde – damals mit dem Solisten Isaac Stern. Jeder Satz der Serenade entwickelt sich aus dem vorangegangenen, in den ersten vier Sätzen lässt Bernstein die Solo-Violine den Part des „führenden Sprechers“ übernehmen, erst im fünften Satz beginnt das Orchester mit der Einleitung.

Obwohl Bernstein betont, dass der Serenade „kein literarisches Programm“ zugrunde liegt, ist wohl Platons Symposion eng mit dem Werk verknüpft. Dieses in Dialogform verfasste Werk lässt die Personen (allesamt Figuren der griechischen Intelligenzia) über das Wirken des Gottes Eros sprechen. Bernsteins Serenade greift die Struktur der literarischen Vorlage auf. Wie in den Tafelreden über das Wesen des Eros entspinnt sich auch aus den musikalischen Gedanken ein Dialog, meistens angestoßen eben durch die Motive der Solo-Violine.

Samuel Barber (1910 – 1981)

Wir beginnen aber ganz anderswo: Samuel Barbers Adagio for Strings op. 11 wird das Konzert 1 eröffnen. Barber, Vertreter der Neuromantik und einer der wichtigsten amerikanischen Komponisten, weilte im September 1936 am Wolfgangsee, als er den zweiten Satz seines Streichquartetts Nr. 11 vollendete – und dieses Adagio entwickelte ein höchst erfolgreiches Eigenleben: Instrumentiert als Adagio für Streichorchester wurde es zu seinem berühmtesten und meistaufgeführten Werk, 1938 unter Arturo Toscanini uraufgeführt und seitdem unsterblich.

Joseph Haydn (1732 – 1809)

Mit Joseph Haydens Symphonie Nr. 95 hören wir ein Spätwerk des Meisters, der in seinen letzten Lebensjahren – nach einem musikalischen Leben am Hofe der Fürsten Esterházy – noch einmal Karriere macht, als er sich entschließt, eine Konzertreise nach England anzutreten. Dieser Aufenthalt bescherte ihm einen bisher nicht gekannten öffentlichen Erfolg: Haydn nahm nicht nur aktiv am Londoner Musikleben teil, sondern lernte auch als Zuhörer viele Werke kennen, und er lernte auch, mit seinem meist begeisterten Publikum umzugehen. 1791 kommt die Symphonie Nr. 95 als dritte der sogenannten Londoner Symphonien zur Uraufführung, und sie steht in Moll. Doch Haydn merkt gleich, dass das Publikum etwas anderes erwartet. Er reagiert, und für die nächsten Symphonien wechselt er wieder in Dur.

 

 

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