KONZERT 2: Berührendes und gewaltig Ergreifendes aus der musikalischen Moderne

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„Dem Andenken eines Engels“ …

… ist der Untertitel von Alban Bergs Violinkonzert, ein Auftrag, den er aus finanziellen Nöten annahm und ein Konzert, das seine Form und Bestimmung erst durch den erschütternden Tod der 18jährigen Manon, Tochter der befreundeten Alma Mahler, bekam. „Der erste Satz erinnert an das typische Wiener Leben, an das engelsgleiche Mädchen, an die Freude, immer auch ein bisschen an Melancholie“, sagt Geigerin Antje Weithaas, „im zweiten Satz wird dann das Schicksal beschrieben, das Schicksal des Mädchens, aber vielleicht auch das des Komponisten selbst“. Und auch wenn das Werk im Stil der Zwölftonmusik geschrieben ist, schafft es Berg, sich diese zwölf Töne so auszusuchen, dass sie im Stück fast einen Anschein von Tonalität bekommen. Volkslieder und -weisen werden zitiert, wenn es um das Mädchen geht; im zweiten Satz dann wird ein Choral von J. S. Bach hörbar: „Es ist genug!“ Ob Berg seinen eigenen Tod vorausahnte, darüber könnten sich die Gelehrten streiten, für Weithaas wäre es schon klar, worum es Berg ginge, wenn genau dieser Bachchoral zitiert werde! Im Sommer nämlich – das Konzert war schon fertiggestellt – wurde Berg von einem Insekt gestochen, und der Stich entzündete sich derart, dass Berg im Dezember darauf an einer Sepsis verstarb. So wurde das Requiem für Manon zu seinem eigenen, das Violinkonzert sein letztes vollendetes Werk. Und da gäbe es ganz am Ende auch Hoffnung auf Erlösung, so die Interpretation von Weithaas: „da übernimmt dann nämlich die Sologeige und führt in elysische Höhen.“ – direkt bis zu den Engeln.

Dmitri Schostakowitschs Achte von 1943 …

… erklingt nun schon mitten aus dem Kriegsgeschehen heraus. Nachdem der Komponist in seiner 7. Symphonie die Belagerung von Leningrad musikalisch „beschrieb“ und mit dem Werk in Ost und West Bewunderung hervorrief, erwartete das stalinistische Regime eine triumphale Achte, welche die Wende des Kriegs zugunsten der Sowjetunion zum Thema haben sollte. Aber der „Staatskünstler“ Schostakowitsch enttäuschte, denn Triumph und Fanfaren konnte man da nicht hören. In den fünf Sätzen dieser ausladenden Symphonie sind vielleicht die „Schrecken des Lebens eines Intellektuellen in der damaligen Zeit“ zu hören, wie ein befreundeter Dirigent meinte, aber eine solche Deutung durfte dem Regime nicht zu Ohren kommen. Seine Aufgabe war es, Musik zu schreiben, die dem Regime gefiel, und das tat er auf vielseitige Art und Weise. Musik, die sicherlich nicht gefallen würde, blieb in der Schublade. Im Fall der Achten verlautbarte er öffentlich ein „philosophische Konzept“, doch die abgrundtiefe Trauer und das Unheil, das schon ab den ersten Tönen zu hören ist, der Schrecken, das Leid vielleicht eines Volkes im Krieg, das alles ließ die Reaktionen darauf eher verhalten ausfallen. Jedoch zählt die 8. Symphonie zu den wichtigsten Werken Schostakowitschs, er selbst sagte in seinen Memoiren: „Die Siebte und die Achte sind meine Requien.“