Gleich zwei Mal geht es im KONZERT 4 um die Liebe; zwei Legenden liegen den beiden Werken zugrunde: Erst wird das slowakische Märchen von Radúz und Mahulena in Josef Suks Orchestersuite Pohádka musikalisch erzählt, danach begegnen uns Paula Murrihy und Gábor Bretz als Judith und Herzog Blaubart in Béla Bartóks einaktiger Oper Herzog Blaubarts Burg. Chefdirigent Leo McFall freut sich schon seit langer Zeit, Ihnen dieses ganz besondere Programm zu präsentieren – diesmal wieder im Montforthaus Feldkirch und im Festspielhaus Bregenz.
Suks Pohádka erzählt von
Radúz und Mahulena, zwei Kindern verfeindeter Könige (wobei die Feindschaft weiland aus der Liebe zur selben Frau entstand), die sich auf den ersten Blick ineinander verlieben, aber von Mahulenas Mutter, Königin Runa, getrennt werden. Sie lässt den Prinzen gefangen nehmen – doch als Mahulena ihn befreit und sie die Fliehenden nicht aufhalten kann, verflucht sie beide schrecklich: Radúz soll Mahulena vergessen und sie darüber verzweifeln. Genau so geschieht es; Mahulena verwandelt sich in einen Baum, als Radúz sie wirklich nicht wiedererkennt, und erst seine Mutter Nyola kann den Fluch bannen.
Josef Suk schrieb 1897/98 die Musik zu diesem slowakischen Märchen, für das der Dichter Julius Zeyer das Bühnenstück inszenierte. Es wurde ein großer Erfolg, nicht zuletzt dadurch wurde der junge Geiger und Komponist, Schüler des großen Antonín Dvořák, auch einem breiteren Publikum bekannt. Um die Musik, die ursprünglich mehrere Nummern und Gesangsstücke beinhaltete, auch in den Konzertsaal zu bringen, bearbeitete er die mitreißendsten Teile zu dieser Konzertsuite, welche, 1901 uraufgeführt, ganz einfach „Pohádka“ – „Märchen“ genannt wurde.
Bartóks Oper Herzog Blaubarts Burg erzählt von
Judith und Blaubart; der zugrundeliegende Text ist ein symbolistisches Drama vom österreichisch-ungarischen Dichter Béla Balázs, in dem die Burg des Herzogs getrost als seine Seele gedeutet werden kann. 7 Türen erblickt Judith in der düsteren Burg, alle möchte sie öffnen, um Licht hereinzulassen. Einen Schlüssel nach dem anderen bekommt sie vom Herzog, zögernd bittet er sie um Vorsicht, einige Türen möchte er doch lieber verschlossen halten. Jeden Raum, der dennoch geöffnet wird, kann die unglaublich reichhaltige, aussagekräftige und sensitive Orchestrierung Bartóks fast schon sichtbar machen, da ist es gar nicht mehr wichtig, über seine komplexe Verwendung von Tonarten, Motiven und musikalischem Aufbau viel zu wissen.
Paula Murrihy singt die Judith, Gábor Bretz den Herzog, beide standen auch schon 2021 bereit für dieses Werk, das dann Coronaschließungen zum Opfer fiel. Fast genau zwei Jahre später ist es nun wieder soweit: die Türen öffnen sich für Sie zu Blaubarts Burg, in der das SOV geradezu als dritter Protagonist auf der Bühne zu erleben ist. In dieser konzertanten Aufführung, in ungarischer Sprache gesungen, können Sie den Text auf Übertiteln mitverfolgen und das Libretto Balázs‘ in einer Übersetzung von Eva Maria Wildemann-Duday bequem am Smartphone lesen oder ausdrucken ...
KONZERT 4
Samstag, 14. Jänner 2023, 19.30, Montforthaus Feldkirch
Sonntag, 15. Jänner 2023, 17.00 Uhr, Festspielhaus Bregenz
Leo McFall: Chefdirigent
Paula Murrihy: Mezzosopran
Gábor Bretz: Bassbariton
Josef Suk: Pohádka (Märchen) Suite op. 16
Béla Bartók: Herzog Blaubarts Burg – Oper in einem Akt op. 11 (konzertante Aufführung)