KONZERT 5: Geiger Kolja Blacher im play-lead mit dem SOV

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Viele gekonnte Kontraste bietet das KONZERT 5, in welchem auch antike Historien als Programm dienen. Geiger Kolja Blacher leitet das SOV nach dem Konzept des „play-lead“: er dirigiert Beethovens Coriolan-Ouvertüre und Haydns Symphonie Nr. 95 vom Konzertmeisterpult aus und spielt außerdem die Solo-Violine in Bernsteins „Serenade nach Platons ‚Gastmahl‘“.

„Ganz normal, wie es eben vor der Zeit der großen romantischen Orchester so üblich war: man dirigierte vom Klavier, Cembalo oder eben vom Platz des Konzertmeisters aus!“ so die Antwort von Kolja Blacher auf die Frage, wie „play-lead“ sich denn nun darstellen würde. Denn erst als die Orchester der Romantik so groß geworden wären, hätte es jemand gebraucht, der sich nur auf das Dirigieren konzentriert hat; der erste „Dirigent“ war wohl Mendelssohn. Im Konzert 5 ist die Besetzung im Orchester nun genau richtig dafür, und beim Proben werden die Verantwortlichkeiten so verteilt, dass es keinen „Extra-Dirigenten“ braucht; wiewohl noch mehr Eigenverantwortung bei jedem und jeder Musiker|in.

Im September 2020 stand dieses Konzert schon einmal auf dem Programm des SOV, und Kolja Blacher war mitten in den Proben, als von einem auf den anderen Tag coronabedingt eine Besucherbeschränkung das Projekt platzen ließ. Um so schöner, dass es nun nachgeholt werden kann – wenn auch im Saal für das Publikum noch Maskenpflicht herrschen wird. Eine vergleichsweise kleine Einschränkung!

Beethoven zur Ouvertüre

Gewaltige Orchesterschläge und viel Dramatik gibt es gleich zu Beginn: Ludwig van Beethoven schrieb die „Coriolan“-Ouvertüre zum Trauerspiel von Heinrich Joseph von Collin, und wenn wir uns seine Geschichte vergegenwärtigen, können wir seinen Wankelmut, die Zweifel und Unentschlossenheit des Protagonisten ganz direkt hören: erst als Held bejubelt, wird er später wegen seiner Überheblichkeit aus Rom verbannt, verbündet sich mit den Feinden Roms und zieht gegen seine Heimatstadt. Nur das Flehen seiner Mutter kann ihn vom Vorhaben, Rom zu zerstören, abhalten, und er nimmt ein furchtbares Ende.

Haydn als 1. Hauptgang

Viel friedlicher geht es nun weiter, wiewohl auch Joseph Haydns dritte Londoner Symphonie nichts an Dramatik vermissen lässt. Kolja Blacher findet sie „schon durch die Tonart c-Moll spannend, sie hat einen wunderbaren zweiten Variationssatz und ist unglaublich originell, wie Haydn seiner Zeit immer schon sehr weit voraus ist.“ – Joseph Haydn befand sich zum Zeitpunkt der Komposition noch nicht lange in London, jedoch war er schon ein Star in der Musikszene: ein Erfolg jagte den anderen und er konnte sein neues, erwartungsvolles Publikum genau unter die Lupe nehmen; Produktion und Rezeption hingen sehr eng zusammen, was zu insgesamt zwölf in London komponierten Symphonien führte, die einen krönenden Abschluss zu seinem gewaltigen Werk von über hundert Symphonien bildeten.

Und nun: Bernsteins Gastmahl

Im Hauptwerk des Abends hören wir das Symphonieorchester in besonderer Besetzung: Solo-Violine, Streicher, Harfe und Schlagwerk verlangt Leonard Bernstein für seine „Serenade nach Platons ‚Gastmahl‘“ von 1954, und das berühmte „Symposion“ von Plato ist auch Programm. – Würdige Athener Herren stellen sich bei einem sicherlich weinseligen „Gastmahl“ die Aufgabe, nacheinander Lobreden über den Eros, über die Liebe zu halten. Ein zart-lyrisches Motiv der Solo-Violine stellt nun diese besprochene Liebe dar, ein Motiv, das je nach auftretender Persönlichkeit und Auslegung des Themas „Eros“ in den folgenden Sätzen immer wieder variiert wird. Der antike Poetry-Slam wird schließlich – gerade während der große Sokrates spricht – vom angeheiterten Alkibiades und seiner Entourage unterbrochen, und das Werk endet in einem fröhlich-trunkenen Fest mit bernsteinschen Jazzanklängen.
 

Konzert 5

Samstag, 9. April 2022, 19.30 Uhr, Montforthaus Feldkirch
Sonntag, 10. April 2022, 17.00 Uhr, Festspielhaus Bregenz

Dirigent und Violine: Kolja Blacher

Ludwig van Beethoven: Ouvertüre „Coriolan“ für Orchester op. 62
Joseph Haydn: Symphonie Nr. 95 c-Moll Hob. I:95
Pause
Leonard Bernstein: Serenade nach Platons „Gastmahl“ für Solo-Violine, Streicher, Harfe und Schlagwerk

Dauer: ca. 90 Minuten (inkl. Pause)

 

Tickets und Informationen

SOV Konzert 5 - Feldkirch - Kolja Blacher (events-vorarlberg.at)

SOV Konzert 5 - Bregenz - Kolja Blacher (events-vorarlberg.at)