Zum Saisonabschluss gibt es wieder einen Knaller – oder, etwas gemäßigter ausgedrückt: hier treffen zwei großartige Werke der Romantik aufeinander, jedes für sich ein Meisterwerk, jedes gleich von Beginn an erfolgreich, und beide stehen sie heute auch noch fast exemplarisch für ihre Schöpfer. Dirigieren wird Chefdirigent Leo McFall, und er stellt uns eine gute Freundin am Klavier vor: Alexandra Silocea
Robert Schumann und Alexandra Silocea
Vor dem Klavierkonzert a-Moll, das als Opus 54 in die Geschichte und in die Hände vieler Pianist|innen eingehen sollte, stand seine „Phantasie für Clavier, mit Begleitung des Orchesters“ aus dem Jahre 1841, von der Schumanns damals noch recht frisch angetraute und hochschwangere Frau Clara sagte: „Das Clavier ist auf das feinste mit dem Orchester verwoben – man kann sich das Eine nicht denken ohne das Andere.“ Und genau das war auch die Vorstellung Robert Schumanns, der schon lange über ein Klavierkonzert nachsann, in dem Gleichberechtigung zwischen Klavier und Orchester herrschen sollte. Damit hatte er dann auch den Nagel auf den Kopf und den Publikumsgeschmack genau getroffen. Nur verlegen wollte diese „Phantasie“, die nur aus einem Satz bestand, leider noch niemand. Erst auf Drängen von Clara komponierte Robert noch einen zweiten und dritten Satz hinzu, und so konnte dieses vollständige Klavierkonzert nun einen Erfolg nach dem anderen feiern. Meist saß Clara Schumann als Solistin auf der Bühne – sie spielte dieses Werk in ihrem Leben immerhin mehr als 100 Mal.
Alexandra Silocea, die in Feldkirch und Bregenz am Klavier sitzen wird, Pianistin mit rumänischen und französischen Wurzeln, hat durch ihr breitgefächertes Repertoire in Europa und den USA schon viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Und auch mit Leo McFall hat sie schon des Öfteren konzertiert. Über das Werk sagt sie: „Das Konzert hat für mich einen besonderen Charme: angefangen mit dem Beginn, der einen ins kalte Wasser wirft, dem tänzerischen Charakter, dem ständigen kammermusikalischen Dialog zwischen Klavier und Orchester, den hohen technischen Herausforderungen und nicht zuletzt dem „Clara-Thema“, dies gibt dem Konzert eine zusätzliche emotionale Tiefe.“
Anton Bruckner und Leo McFall
Der oberösterreichische Komponist, mit dessen Symphonien sich das SOV seit ein paar Jahren beschäftigt, war lange Zeit als Komponist nicht von Erfolg verwöhnt. Erst mit Mitte 40 setzte er den Schritt, seine Heimat zu verlassen und nach Wien zu gehen, und dort vor allem zu komponieren. In Wien wurde ihm das Leben allerdings schwer gemacht, als er seine Symphonien präsentierte. Vor allem der Musikkritiker Eduard Hanslick, ein Anhänger von Johannes Brahms und Gegner Richard Wagners und der sogenannten „Neudeutschen Schule“, zerriss ihn förmlich in der Luft. Bruckners dritte Symphonie, Richard Wagner gewidmet, musste da ganz einfach durchfallen. Das hinterließ Spuren bei Bruckner, der seine Symphonien in Folge immer wieder umarbeitete – die vielen Versionen, die es heute von ihnen gibt, sind eben darauf zurückzuführen.
Ganz anders aber verhielt es sich bei seiner 7. Symphonie, die nun auf dem Programm des Konzert 6 steht. Ihre Uraufführung fand in Leipzig unter dem Dirigat von Arthur Nikisch statt, und dass sie schon von Beginn an ein Erfolg war, verdankt sie nicht nur den gefälligeren Melodien, sondern auch dem großen Engagement des Dirigenten, der die Musik in Werkeinführungen dem Leipziger Publikum näher brachte. Diese Siebte brachte also eine Wende in Werk und Selbstbewusstsein Anton Bruckners, sie wurde bald in großen Teilen Europas und sogar in Übersee gespielt.
Für Leo McFall ist ein ganz besonderer Moment daraus ist für Leo McFall der 2. Satz, das „Adagio“, welches sich langsam, blockartig und über eine lange Strecke aufbaut, bis ein glänzender Höhepunkt erreicht ist. Leo McFall beschreibt dieses Adagio als „riesigen Berg, den man besteigt, und dann, wenn der Gipfel endlich erreicht ist, gibt es nur vier Minuten Musik, um wieder Frieden und Ruhe zu finden.“ In diesen herausfordernden vier Minuten verwendet Bruckner 4 Wagnertuben, die zusätzlich zu den 4 Hörnern spielen. Bruckner erhielt die Nachricht vom Tode Wagners, als er mitten in der Arbeit zum Adagio steckte, und diese Wagnertuben sind wohl Ausdruck seines Gedenken an das Idol Richard Wagner.