Das dritte Abonnementkonzert des SOV eröffnet mit Detlev Glanerts Komposition aus dem Jahr 2013, einer ÖEA: „Weites Land – Musik mit Brahms“, in dem er intensiv Bezug nimmt auf die 4. Symphonie von Johannes Brahms. Auch dieses wegweisende Werk steht auf unserem Programm, wie auch ein Klavierkonzert von Ludwig van Beethoven: sein erstes, interpretiert vom finnischen Pianisten Johannes Piirto. Gerrit Prießnitz wird das SOV zum ersten Mal dirigieren; er kennt Glanert, hat seine Liebe zu Brahms gefunden, und Johannes Piirto als Beethoveninterpreten vorgeschlagen. Beide Konzerte finden wiederum – der Sanierung des Bregenzer Festspielhauses wegen – im Feldkircher Montforthaus statt!
Weites Land – Musik mit Brahms
… ist eines von drei sogenannten compendium pieces, die der Hamburger Komponist Detlev Glanert zur 1., 2. und eben der 4. Symphonie von Johannes Brahms geschrieben hat. Gut heraushören kann man die jeweilige Symphonie – Glanert arbeitet mit den brahms‘schen Motiven, und Weites Land ist vor allem ein „stimmungsmäßiger, atmosphärischer und bildhafter Anklang an Brahms“, wie Dirigent Gerrit Prießnitz, Wahlösterreicher mit Bonner Wurzeln, das Werk beschreibt, „es folgt eben den Stimmungen der Symphonie“. Der musikalische Erforscher und großartige Orchestrierer Glanert lässt in seinen Werken grundsätzlich gerne Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verschmelzen und sagt zu diesem Stück selbst: „Es ist viel Norddeutschland darin, der brahmsische Geruch von Marschland und großen Himmeln.“ Das SOV freut sich sehr, das Erstaufführungsorchester dafür zu sein!
Beethovens 1. Klavierkonzert mit Johannes Piirto
Ludwig van Beethoven war als junges Ausnahmetalent schon seit einigen Jahren in Wien, wo er sein Klavierkonzert Nr. 1 im Rahmen einer „Akademie“ präsentierte: dem interessierten Publikum wurde ein bunt gemischtes Programm seiner Kompositionen geboten. Seine Technik und Improvisationskunst am Klavier machten großen Eindruck auf das Wiener Publikum – nun, er schrieb sich seine Konzerte ja auch selbst auf den Leib.
Für den finnischen Pianisten Johannes Piirto, der seit einigen Jahren in seiner Wahlheimat Wien als freischaffender Musiker lebt, er komponiert z. B. auch, ist es das absolute Beethoven-Lieblingskonzert, mit allem, was ein Klavierkonzert eben braucht: hoch virtuose Passagen im ersten Satz, im noch ganz im von Haydn und Mozart geprägten Stil und unglaublich intime Momente im Largo. „Aber immer wieder“, betont Piirto, „mit ganz viel „beethoven’schem Humor“.
Johannes Brahms und seine Vierte
Wie so viele Komponisten der romantischen Epoche war sich auch Johannes Brahms unendlich unsicher, wie denn Symphonien nach dem übergroßen Beethoven noch zu schreiben wären. Er beschäftigte sich jahrelang mit dieser Gattung, schrieb und verwarf, und präsentierte seine Erste erst mit Anfang 40. Fast zehn Jahre später, 1885, dirigierte er die Uraufführung seiner Vierten. Sie wurde vom Publikum mit gemischten Gefühlen aufgenommen: für die einen waren die vielen kurzen Motive, die uns heute so vertraut sind, einfallslos und hohl, andere erkannten die große Sogwirkung, die von ihnen ausging und lobten das „wunderbar verschlungene Wachstum der Motive“. Später sollte Arnold Schönberg dies als Technik der „entwickelnden Variation“ bezeichnen – Brahms war mit seiner Vierten ein Schritt in Richtung 20. Jahrhundert gelungen.
KONZERT 3
Samstag, 3. Dezember 2022, 19.30, Montforthaus Feldkirch
Sonntag, 4. Dezember 2022, 17.00 Uhr, Montforthaus Feldkirch
ACHTUNG! Wegen der Sanierung des Festspielhaus Bregenz finden beide Termine in Feldkirch statt!
Gerrit Prießnitz: Dirigent
Johannes Piirto: Klavier
Detlev Glanert: Weites Land – „Musik mit Brahms“ für Orchester - ÖEA
Ludwig van Beethoven: Klavierkonzert Nr. 1 C-Dur op. 15-
Johannes Brahms: Symphonie Nr. 4 e-Moll op. 98