Lorenza Borrani mit leuchtendem Schubert, perlendem Rossini und einem Violinkonzert voller Überraschungen

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Schuberts zart-jugendliche 5. Symphonie umgibt ein magisches „Leuchten“, Ursina Maria Brauns Violinkonzert birgt Überraschungen und Geheimnisse – aber als Aperitif serviert Lorenza Borrani eine perlende Rossini-Ouvertüre!

Gioachino Rossinis Barbiere-Ouvertüre

Wie ein spritziger Prosecco vor dem Festmahl, so soll diese schwungvolle Ouvertüre das KONZERT 1 und somit die neue SOV-Saison eröffnen. Die lukullische Anspielung passt auch hervorragend zum Komponisten, war Gioachino Rossini doch ein bekannter Feinspitz, der sich nach seiner aktiven und ungemein erfolgreichen Zeit als Musiker vor allem kulinarischen Genüssen hingab. Anekdoten darüber gibt es zuhauf, einige hören Sie auch im Podcast zum KONZERT 1. Die Ouvertüre zum Barbier von Sevilla ist heutzutage nicht mehr von der Oper wegzudenken, in der die berühmte Figur des Barbiers Figaro alle erdenklichen Finten einsetzt um Rosina und den sie liebenden Grafen Almaviva zu vereinen. Fast unglaublich scheint es, dass diese Oper – eine der bekanntesten und beliebtesten der Operngeschichte überhaupt – bei ihrer Uraufführung durchgefallen ist. Anhänger des populären Giovanni Paisiello, dessen gleichnamige Oper schon seit vielen Jahren ein Hit war, wollten den jungen Rossini wohl in seine Schranken weisen. Rossini erduldete das Fiasko, und schon nach der zweiten Vorstellung wurde die Oper bejubelt. Die Ouvertüre jedoch entstand nicht in den wenigen Tagen, in denen der Barbiere geschrieben wurde, Rossini entlieh sie zwei ernsten Opern, die er einige Jahre zuvor komponiert hatte. Mehrfachverwendungen waren bei dem Arbeitspensum grundsätzlich keine Seltenheit, und fast wie ein Chamäleon passt sich dieses frische und kontrastreiche Stück Musik an ernste wie heitere Stoffe an und leitet bei uns nun schwungvoll in die neue SOV-Saison, in das KONZERT 1 und in das folgende Violinkonzert.

Ursina Maria Brauns Violinkonzert

Im Dezember 2023 entstand das Violinkonzert der Schweizer Komponistin, Cellistin und Kammermusikpartnerin Lorenza Borranis, das ihr nicht nur gewidmet, sondern direkt auf den Leib geschrieben wurde. Ursina Maria Braun, in Egg bei Zürich geboren und seit Jahren in Salzburg lebend, bringt diese zwei sehr kontrastierenden Tätigkeiten, nämlich Musik machen und Musik schreiben, immer wieder zusammen. Sie komponiert drei bis vier Werke im Jahr, spielt Konzerte und ist auch Teil des von Borrani mitbegründeten Ensembles Spira mirabilis, einem musikalischen Labor, das ohne Dirigent|in arbeitet und konzertiert. Ihre neue CD, Beethoven, Schubert und Jan Hugo Vorřišek gewidmet, kam im Frühjahr 2025 heraus. 

Bei ihrem Violinkonzert ging es ihr darum, ein Werk für Borrani zu schreiben, das für die play-and-conduct-Projekte gut umzusetzen ist, aber gleichzeitig ihre im Kopf als Idee entstehenden Klänge so genau wie möglich widerspiegelt. Außerdem soll es wohl auch die verschiedenen Seiten der Geigerin zeigen, die im ersten Satz ihre Stimme vor dem begleitenden Orchester hervorhebt, im zweiten Satz mit dem Orchester geradezu verschmilzt, und im dritten mit einer unglaublich zarten Kantilene berühren möchte – das alles nicht ohne die eine oder andere Überraschung. Borrani selbst sagt zu dem Werk, das nun zum ersten Mal in Österreich erklingen wird: „Das Konzert ist sehr theatral, voller Sprachlichkeit und auch voll mit Humor. Und vor allem der letzte Satz ist fast „schubertianisch“ in seiner Zartheit.“ 

Wir freuen uns sehr, dass Ursina Maria Braun in Feldkirch bei Proben zugegen sein wird, sie wird interessierte Vereinsmitglieder beim Probeneinblick treffen und auch beim Konzert am Samstag in Feldkirch mit dabei sein.

Franz Schubert und seine 5. Symphonie

Das „Leuchten“ in der Musik von Schuberts 5. Symphonie war dem von Borrani mitbegründeten Ensemble Spira Mirabilis ein genaues Partiturstudium wert. Seitdem gehört diese Symphonie zu Borranis beliebtesten, denn sie ist „melancholisch, aber süß, fast kindlich. Die für Schubert so typischen Hell-Dunkel-Malereien sind weniger scharf, sie ist weniger dramatisch, und doch strahlt sie auf eine ganz besondere Art und Weise.“

Franz Schubert komponierte seine Fünfte mit nur 19 Jahren, und Musikkenner besprechen sie als die „vollkommenste seiner Jugendsymphonien“.  In ihr ist die Auseinandersetzung Schuberts mit seinen Vorbildern Mozart und Haydn zu hören, auch wenn Schuberts Geste bei aller klassischen Verliebtheit ganz stark in Richtung Romantik zeigt. Uraufgeführt wurde sie wahrscheinlich 1816, im selben Jahr übrigens wie Rossinis Barbiere, und zwar in einem Liebhaberorchester, das dem jungen Komponisten als Laboratorium diente: hier konnte er sich von der Tauglichkeit seiner Noten überzeugen, denn Schubert spielte dort die Bratsche. Am Wichtigsten war ihm jedoch immer das Komponieren. 

Die Lehrerstelle, die ihm sein Vater besorgt hatte, gab er auf und versuchte, sich als Komponist zu etablieren. Leider wiesen ihn Musikverlage ab, wie auch Stellen, an denen er sich als Kapellmeister beworben hatte. Ohne fixes Einkommen nahm er das Angebot des Schriftstellers Franz von Schober an, zu ihm zu ziehen, um sich ausschließlich dem Komponieren widmen zu können. Überhaupt mussten Freunde Schuberts immer wieder für sein Auskommen sorgen, wie auch für die Veröffentlichung seiner Musik. Sie waren es nämlich, welche die damals schon so genannten Schubertiaden organisierten, seine Lieder sangen und Schubert die Gelegenheit gaben, sich mit neuen Kompositionen – wenn auch im kleinen, privaten Kreis – zu präsentieren.

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