Schlaflos mit Martin Eberle und Benny Omerzell

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Zum 20-Jahr-Jubiläum des Jazzorchesters Vorarlberg bilden das SOV und das JOV gemeinsam einen großen Orchesterapparat und interpretieren Martin Eberles und Benny Omerzells Insomniac Dreams, eine Uraufführung. Es erwarten Sie vibrierende Streicher-Klangteppiche, elektronische Sounds, brillante Solopassagen und improvisatorische Meisterleistungen.

Ein spannendes Projekt nimmt gerade Formen an und steht kurz davor, Wirklichkeit zu werden: ein gemeinsames Konzert des Symphonieorchesters mit dem Jazzorchester Vorarlberg (JOV). Was 2017 mit der Symphony von Gerd Hermann Ortler schon so überzeugend geklungen hat, findet nun mit Insomniac Dreams eine Fortsetzung. Den Kompositionsauftrag dafür erhielten Martin Eberle (Mitbegründer und Leiter des JOV) und Benjamin Omerzell (Keyboards) nach der begeistert aufgenommenen Performance ihrer ersten gemeinsamen Komposition für das JOV, Sonus Variegata. 

Zwei Komponisten, ein Werk – wie kann das funktionieren? Martin Eberle erklärt es so: „Jeder schreibt für sich und schließt seine Stücke auch ab, aber wir kennen unsere musikalischen Sprachen so gut, dass es immer möglich ist, einzelne Teile ineinander zu verweben.“ Insomniac Dreams besteht nun aus drei Sätzen von Benny Omerzell mit den sprechenden Titeln Reverie, Detuned Reality und Phantasmagoria und vier Sätzen aus der Feder von Martin Eberle: Fliegen, Mäandern, Violet und Finale. Benny Omerzell: „Es sind zwei für sich abgeschlossene Werke, die hintereinander sehr gut funktionieren. Aber wenn wir in den Proben herausfinden, dass eventuell mein zweiter Satz woanders noch besser passt, dann lassen wir uns die Möglichkeit offen, die Teile auch zu vertauschen.“

Dass es bei ihrem neuen Werk um alle möglichen Zustände rund ums Träumen geht, war ihnen schon bald klar. „In der Traumwelt geht es um Stimmungen, wie es eben auch beim Träumen oft der Fall ist. Nicht alles ist klar festzumachen, und das zieht sich bei mir durch die Komposition.“ Omerzell spielt mit Polyrhythmik, „da ist nicht ganz klar, wo der Anfang vom Takt ist, wo das Ende, und trotzdem gibt es aber einen klaren Puls.“ Und Eberle, der sich seine Inspiration aus den Dämmerzuständen auf langen Fahrten im Tourbus holte, setzt mit Mäandern einen ganz bestimmten Traum musikalisch um, der ihn lange beschäftigte. „Eigentlich sind wir so etwas wie Klangfetischisten,“ beschreibt er im Podcast-Interview ihre kompositorische Herangehensweise, „es geht uns nicht um viele Töne, sondern es geht uns um Klänge.“

Bei beiden Musikern steht am Beginn des Kompositionsprozesses die Improvisation. Trompeter Eberle geht oft von Melodien oder auch rhythmischen Pattern aus, die er später für die verschiedenen Besetzungen arrangiert, während der Pianist und Keyboarder Omerzell an den Tasten zu improvisieren beginnt und sich die Stimmen der verschiedenen Instrumente am Synthesizer nachbaut. Beide genießen es, ihren Kolleg|innen aus dem JOV Passagen „auf den Leib zu schreiben“, und ihnen genügend Räume für größere Improvisationen zu geben. Da kommt zum Beispiel ein großer Streicherteppich, wie ihn das Symphonieorchester anbieten kann, gerade recht. 

„Die Idee war von Anfang an, dass beide Orchester zusammen einen großen Klangkörper ergeben sollen, freilich mit verschiedenen Aufgaben,“ meint Eberle. Die Musiker|innen würden ihren Stärken entsprechend gefordert, ob sie nun in klassisch-virtuosen Stellen brillieren könnten, oder eben über längere Strecken frei fantasierten. Wie bei Jazzformationen üblich, wird eine Rhythmusgruppe bestehend aus Schlagzeug, Bass, E-Gitarre und Keyboards vorne mittig platziert und für den gemeinsamen Puls – Eberle nennt es „den Herzschlag“ – verantwortlich sein. Und wo elektrisch verstärkte und natürliche Instrumente zusammenkommen, da wird auch ein Sounddesigner benötigt, der seinen Platz im Zuschauerraum finden wird. Noch etwas wird anders sein: Ohne einen klassischen Dirigenten werden eben die beiden Komponisten von ihrem Platz im Orchester heraus wichtige Einsätze und „cues“ geben. 

Nun, eine Woche vor den Proben, steigt die Spannung und Vorfreude, dieses Projekt aus der Taufe zu heben. Einen Wunsch an das Publikum haben die beiden noch: „Kommen Sie mit offenen Ohren und lassen Sie sich zu 80 Minuten schlafloser Träume mitnehmen.“

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