Seit Mai ist es zwar öffentlich und bekannt, dass Geschäftsführer Sebastian Hazod das SOV verlassen wird – nun rückt der Zeitpunkt der Staffelübergabe aber immer näher. Mit Anfang November übergibt er die Geschäftsführung an Gerald Mair und widmet sich – nach einer zwischenzeitlichen Elternkarenz mit Partnerin Alisa und Töchterchen Alma – ganz den Geschicken einer der ältesten Musikinstitutionen Europas, dem Musikkollegium Winterthur.
2018 wurde Sebastian Hazod nach Vorarlberg geholt und folgte damit Thomas Heißbauer als Geschäftsführer nach. Als erste wichtige Aufgabe sah er die Kommunikation mit den Orchestermusiker|innen, und dazu den intensiven Austausch mit deren Vertretern, um in unzähligen Gesprächen deren Sorgen und Nöte in Erfahrung zu bringen. Die Anhebung der Gagen war und ist immer noch eines der wichtigsten Projekte, welches daraus entstand, denn das Gagenniveau lag deutlich unter dem österreichischen Durchschnittswert. Mit viel analytischer Vorarbeit, Herzblut und Mut warf er sich in viele lange und zähe Verhandlungen mit dem Subventionsgeber Land Vorarlberg (Stichwort: „fair pay“) und konnte auch einige Erfolge verbuchen. – Die Ironie der Geschichte zeigt allerdings, dass die bejubelte Subventionserhöhung ein halbes Jahr später von der unabsehbar hohen Inflation wieder vollkommen „aufgefressen“ wurde; ein Rückschlag, der ihn nicht von weiteren Verhandlungen abhält: noch im Oktober wird er sich wieder für eine Anpassung der Gagen einsetzen.
Ein weiterer Ausbau gelang Sebastian mit der Aufstockung des Teams im Orchesterbüro, da die kleine Besetzung ganz einfach an ihre Grenzen gelangt war. Nach außen hin präsentierte er das SOV mit modernem, neuem Logo und in Zusammenarbeit mit bildenden Künstlern, welche exklusiv die Motive für Plakate und Programmhefte lieferten und so die neue Außenwirkung des SOV zu etwas ganz Besonderem werden ließen.
Die Coronapandemie fiel genauso in Sebastians Amtszeit, und damit eine äußerst schwierige Zeit, in der fast täglich – aufgrund neuer Verordnungen für Kulturinstitutionen – neue Entscheidungen getroffen werden mussten. Mit eisernen Nerven und viel Geschick hat er Konzerte möglich gemacht, die eigentlich nicht hätten stattfinden können (man erinnere sich an vier Bruckner-Konzerte an einem Wochenende, für jeweils 200 BesucherInnen), es wurden Abonnent|innen in Kurzzeit über Ausfälle oder doch stattfindende Konzerte informiert und neue Möglichkeiten von Ticket-Rückabwicklungen gefunden, um das Publikum so gut wie irgend möglich zu versorgen und bei Laune zu halten.
Trotz aller Anstrengungen ist ein Besucherrückgang leider ein Fakt, so wie auch die Tatsache, dass das SOV mit einer Eigenleistung von immer noch mehr als 65% in Österreich und weit über die Grenzen hinaus alleine dasteht. Hier müssen die Subventionsgeber nachbessern, um das Orchester fit zu halten für seine Aufgaben: ein Nahversorger für symphonische Musik auf höchstem Niveau in Vorarlberg zu sein.
Im (wirtschaftlichen) Kampf für das SOV hat Sebastian vieles gewagt, und auch in seinen Konzertprogrammen hatte er ein klares Konzept: symphonische Highlights mit selten gespielten Kostbarkeiten zu verbinden und Neuentdeckungen oder gar Neukompositionen einzubauen. Ganz wichtig war ihm, dass seine Programme musikalisch aufeinander abgestimmt waren, ohne nachträglich aufgepfropfte Dramaturgien oder erfundene rote Fäden. Unglaublich viel Aufregendes, Schönes und Spannendes ist dabei entstanden, wunderbare Dirigenten und Solist|innen konnte das Vorarlberger Publikum kennenlernen und viele wundervolle Konzerte erleben.
Die ganze Saison 24/25 trägt noch Sebastians Handschrift, und auch ein großer Teil der kommenden Saison wurde von ihm – und wie immer auch Chefdirigent Leo McFall – schon vorgeplant. So kann Gerald Mair nun getrost den Stab übernehmen.
Sebastians liebste Freizeitbeschäftigung, nämlich mit Klettergurt, Tourenschi oder Mountainbike in den Bergen unterwegs zu sein, wird er in der Schweiz genauso mit Freude weiter ausüben können, wiewohl inzwischen ja auch Kiki und Kindertrage dazugekommen sind und sich die Bergziele dahingehend etwas ändern könnten.
Mit Wehmut geht er trotzdem aus Vorarlberg weg: viele persönliche Beziehungen, Erinnerungen an schöne Konzerte und die Freundschaft mit Chefdirigent Leo McFall werden ihm fehlen. Aber es überwiegt die große Lust auf Neues: ein neues Orchester, ein neuer Chefdirigent und neue Konzerthäuser. – Mit einem weinenden und einem lachenden Auge lassen wir ihn gehen und wünschen ihm für sein neues Engagement alles alles Gute!