„Kunstvolle Strukturen vereinen sich mit Leichtigkeit und Virtuosität,“ – so beschreibt Dirigent Roland Kluttig das Programm des KONZERT 1, und er, der hiermit sein SOV-Debut geben wird, empfiehlt: „einfach anhören und staunen!“
Béla Bartóks Musik für Saiteninstrumente, Schlagwerk und Celesta
Eine ganz besondere Orchesteraufstellung verlangt dieses Werk Bartóks, das im Jahr 1937 seine triumphale Uraufführung feierte: zwei Streichergruppen sitzen einander gegenüber, Klavier, Harfe und Celesta nehmen in der Mitte der Bühne Platz, dahinter eine Menge Schlagwerk. So können sich die gewünschten Echoeffekte und Wechselgesänge bestmöglich entfalten – live im Konzert natürlich viel besser als auf jeder Aufnahme!
Kunstvoll gearbeitet ist der erste Satz als Fächerfuge, wo sich das Thema durch die beiden Gruppen fächerförmig nach oben und unten ausbreitet und dann wieder langsam „zusammengeklappt“ wird und zum Ausgangston zurückkehrt. Die emsige Beschäftigung des Komponisten mit dem „goldenen Schnitt“ oder auch der „Fibonacci-Reihe“ bringt Roland Kluttig zum Schwärmen: „Da kommen einem – beim Lesen der Musik – schon Gedanken an grandiose Bauwerke!“ Die Mathematik in der Musik kann man aber nicht hören, und man muss es auch gar nicht. Kluttig: „Vielleicht kann man es spüren, denn für Bartók gab es die heilige Dreieinigkeit der Natur, Kunst und Wissenschaft; je stimmiger die Konstruktion, desto näher an der Natur“! – Und eben an der Kunst. Zwei schmissige Tanzsätze folgen, und zwischendrin ein langsamer gespenstisch-geheimnisvoller Satz, den Kluttig als „Rhapsodie der Geister“ bezeichnet, und dabei schmunzelt. – Nicht umsonst hört man Ausschnitte daraus in Stanley Kubricks Horrorfilm Shining.
Boris Blachers Violinkonzert, gespielt von Kolja Blacher
Das Wiedersehen mit Kolja Blacher – er leitete ein Play-&-Conduct-Programm 2022 – wird eine besondere Wiederentdeckung: er bringt nämlich das Violinkonzert seines Vaters mit. Dieses 1948 uraufgeführte Werk ist so ein fröhlich-vergnügtes Stück Musik, dass einem glatt Bilder aus 50er-Jahre-Filmen da vor dem inneren Auge auftauchen könnten. Dabei bietet es dem Interpreten genügend Partien, wo er sein Können zeigen kann.
Boris Blachers Karriere startete glänzend kurz vor Kriegsausbruch und endete dann abrupt: für die Nazis war seine Musik „entartet“ und Blacher musste sich in Berlin versteckt halten. Trotz langer Entbehrungen konnte er nach dem Krieg das Musikleben im Nachkriegsdeutschland bedeutsam mitprägen, als Komponist, aber auch als Lehrer einiger bedeutender Komponisten wie z. B. Gottfried von Einem. – Zeit also, wieder mehr Blacher zu hören? Wir finden: unbedingt!
Wolfgang A. Mozarts Jupitersymphonie
Im Sommer 1788 entstand Mozarts letzte Symphonie, die Nr. 41, in einer Zeit, als er sich vermutlich in finanziell schwierigen Verhältnissen befand: er war in eine billige Wohngegend gezogen, einige Bettelbriefe an Freunde sind erhalten. Doch eigentlich wissen wir wenig aus dieser Zeit, auch nicht, für welchen Anlass er sie komponiert hat, oder ob er jemals eine Aufführung gehört hat. Den Beinamen hat sie erst 30 Jahre später erhalten: der in London lebende Konzertveranstalter Johann Peter Salomon hat die sensationelle Symphonie mit der göttlichen Schlussfuge nach dem Vater aller Götter benannt. Sie war Vorbild für nachfolgende Komponistengenerationen und gilt noch heute als Meisterwerk.
Und was könnten wir Zuhörer|innen versäumen, die wir vielleicht nicht genau darüber Bescheid wissen, wie Fugen funktionieren und wie man sie erkennt? – Gar nichts!
Dirigent Roland Kluttig vergleicht das Hören mit dem Betrachten eines Gemäldes: auch wenn wir nicht alles über die Maltechnik wissen, so können wir es doch einfach anschauen und darüber staunen. Und dies wäre seine Empfehlung für uns als Konzertpublikum: „Einfach anhören und staunen!“