Sehr geehrte Damen und Herren,
Wenn wir gemeinsam im September nach langer Zeit wieder in den Konzerten des Abonnements 2020 | 21 zusammenfinden, dann unter dem Begriff der »neuen Normalität«. Der Begriff mag in politischer Sicht gut gewählt sein, beschreibt er doch die Verbindung mit dem bisher Gewohnten unter dem Vorzeichen neuer gesellschaftlicher Vereinbarungen. In Wahrheit haben jedoch die drei hinter uns liegenden Monate und vermutlich eine noch viel längere Zukunft so gar nichts mit »Normalität« zu tun, wie wir sie bisher gewohnt waren. Womöglich werden wir niemals zum Zustand vor Ausbruch der Pandemie zurückkehren können.
WAS IST NORMAL?
Vor dem Hintergrund eines sich langsam öffnenden Lockdowns mit wesentlich unterschiedlichen Geschwindigkeiten und langsam zurückkehrender individueller Freiheiten sehen sich die meisten von uns kaum selbst in der Lage die »Normalität« des eigenen Lebens bestimmen zu können. Schon wenn Sie dieses Heft in Händen halten, kann alles anders sein. Feststeht nur so viel, dass die gesamte Menschheit noch sehr lange mit den Auswirkungen der Ereignisse des Jahres 2020 zu tun haben wird und »Normalität« stets sehr stark vom Standpunkt abhängen wird.
Dennoch möchten wir uns mit großem Mut den kommenden Ungewissheiten stellen und Ihnen ein ambitioniertes Saisonprogramm im Spannungsfeld zwischen Bekanntem und Aufbruch vorlegen. Unabhängig von der grassierenden Pandemie soll die Saison 2020 | 21 eine der denkwürdigsten in der jüngeren Geschichte des SOV werden, denn erstmals trägt sie maßgebliche Züge des neuen Chefdirigenten Leo McFall.
Mozart, Schubert, Stravinsky und Thomas Adés, einer der erfolgreichsten englischsprachigen Komponisten der jüngeren Generation, die Konzertante Fassung von Béla Bartóks Meisterwerk »Herzog Blaubarts Burg«, Anton Bruckners Sechste Symphonie sowie Werke des tschechischen Nationalkomponisten Josef Suk oder von William Walton versprechen eine wahrliche Fülle und den Aufbruch in eine neue Ära.
Die Eindrücke der denkwürdigen Konzerte mit Mahlers Achter klingen noch immer nach und führen uns im Oktober 2020 zum Abschluss des vor zwölf Jahren begonnenen Zyklus »Mahler 9×9« mit Kirill Petrenko.
Ehrendirigent des Orchesters, Gérard Korsten, wird mit Werken von Ludwig van Beethoven, Benjamin Britten und Wolfgang Amadeus Mozart nach Vorarlberg zurückkehren und hier auf alte Freunde im Orchester, aber auch im Publikum treffen.
Kolja Blacher hat sich in den vergangenen Jahren als Geiger weg vom international bekannten Solisten allergrößter Häuser hin zu einem der renommiertesten Künstler der sogenannten »Play-Lead« Konzerte entwickelt und wird die neue Saison unter anderem mit Leonard Bernstein eröffnen.
Mit dem ersten Konzert zu Silvester und der anschließenden Reise folgt das Symphonieorchester Vorarlberg erstmals der Einladung ins große Festspielhaus nach Salzburg, selbstverständlich mit Chefdirigent Leo McFall und gemeinsam mit dem Vorarlberger Ausnahmecellisten Kian Soltani.
Womöglich ist es ganz einfach auch Aufgabe von Kulturschaffenden, sich ständig wechselnden »Normalitäten« zu stellen, um sich und die Rolle in der Gesellschaft stets neu zu definieren. Willkommen in der Saison 2020 | 21!
Ihre
Dr. Manfred Schnetzer
Präsident
Sebastian Hazod
Geschäftsführer